… das Motto von Daniel Schio
Rund 20 passionierte und pensionierte Seglerinnen und Segler hat André mit seiner Einladung in den Clubraum gelockt. Da er etwas vom Terminkurs abgekommen war, ergaben sich leider für einige alt-verdiente Mitglieder des WVR Terminkollisionen. Und ein Frühstart-Event: Daniel Schio (Jahrgang 58; wie die Segelnummer seines RC-Seglers «SHARK») wird erst Mitte Jahr pensioniert; ist also ein Nautilus in spe.



Gemeinsam versuchten wir (Daniel & René) anfang Nachmittag der medialen Technik Herr zu werden um unsere vielen Bilder in den Bildschirm zu navigieren. Doch das lahme WVR-WLAN entpuppte sich als so starker Gegenwind, dass wir in den Wellen beidrehen mussten. Dabei sind alle Manöver zu Hause in ruhigen Gewässern gelungen.
Doch einen Segler wie Daniel bringt sowas nicht so schnell vom Kurs ab, denn sein Motto ist: der Weg ist das Ziel. Und so lauschten wir gespannt seinen lebendigen Ausführungen ohne TV-Schnickschnack. Bald wussten wir, dass er nach der Bootsbaulehre beinahe bei der Seepolizei festgemacht hätte. Die Furcht vor Uniform und flautenreichem Beamtentum und die Aussicht auf ruhige Gewässer zwischen Bürotürmen und Hobelmaschinen bestimmten dann klar und eindeutig seinen weiteren Kurs. Die vom Vater geerbte Passion fürs Segeln und das Interesse an Booten führten ihn in der Freizeit schon bald wieder ans Wasser. Der zufällig Nähe Horgen entdeckte vergammelte Küstenkreuzer (gezeichnet vom englischen Konstrukteur Alan Buchanan, in Lizenz gebaut von der Staehli Werft in Altenauam Bodensee) durchkreuzte zufällig immer wieder Daniel’s Landwege. Sein Traum Eigner eines solchen Zweimasters zu sein erfüllte sich mit einem unerwarteten günstigen Angebot. Sein Vater, mit dem er Korsar-segelnd auf dem Bodensee mehrfach diesem behäbigen Segler begegnet war, inspizierte den Rumpf und bestärkte Daniel in seinem Törn der Restaurierung.






Fast zu mutig wurde rausgerissen was nicht niet- und nagelfest, resp. seetauglich war, so dass er vor lauter Staub und Nebel seinen Weg kaum mehr sah. Aber irgendwann erreichte Daniel den «Point of no Return», koste was es wolle, er wendete zum nächsten Schlag. Die Route führte über Einsiedeln (rund 1999), Horn (2004), Schindellegi (2008) und zurück ins Horn (2015), wo der Zweimaster vor über 5 Jahren wieder in der Plastik-Werft verschwand. Diese hatte Daniel mit viel Folien und Dachlatten beim ersten Schlag ins Horn unter Zustimmung und nachhaltigem Lob von Baas van Wieringen erbaut. In ihr gelang dann auch unserem WVR-Präsi Thomas die Restaurierung seines 15-er Jollen-kreuzers. Wieder zurück im Horn fühlte sich Daniel wie im Himmel: es entstanden dann auch die Engelsflügel auf dem Vordeck. Endlich waren die Zeiten mit unendlichem Schrauben der Zwingen vorbei – eine Qual fast wie beim Winschen bedienen in Regatten. Nun kam das Knütteln hoch am Wind mit einer Unzahl von Details. Diese mussten gesägt
, geschliffen, geleimt, lackiert und letztlich am richtigen Ort platziert und verschraubt werden. Kaum zu glauben: Daniel vollbrachte alles ohne Pläne; die gab es nirgends. Er liess sich nicht beirren, denn der Weg war sein Ziel. Das Aeussere ist nun fast komplett. Das bestaunten die anwesenden Segler:innen und Nicht-Segler:innen mit grossen Augen. Nun beginnt auf der Innenausbau Gestalt anzunehmen. Wohlüberlegt kam nach dem verschliessbaren Abgang der Bett-Teil an die Reihe. Ob es da eine Rolle spielt mit den unzähligen Nachtstunden … vielleicht ein kurzes Ausruhen?Nach den lebendigen Schilderungen im Vereinslokal wussten nun die Anwesenden, dass das handwerkliche Kunstwerk von Daniel eine Yawl (von niederl. jol) ist. Oder doch eine Ketch?
Eine Yawl ist ein Segelboot, das der Ketsch ähnelt, nur steht hier der Besanmast, der auch Treibermast genannt wird, außerhalb der (Konstruktions-)Wasserlinie und ist in der Regel deutlich kürzer (max. 50 % des Großmastes).
Bevor es dann zu Kaffee & Kuchen … und Molenköpfen (Moxxxxköpfe darf nicht mehr gesagt werden) ging, beäugten, betasteten, beschnupperten und bestaunten die Anwesenden Werkzeuge, Verleimungen, Holzmuster die Daniel in Umlauf brachte.
Dieser Nachmittag passte natürlich zum Kunsthandwerk das in aller Stille hinten in der Ecke seiner Vollendung, resp. seiner Wassertaufe entgegen-fiebert.
Tage danach schafften es dann Daniel und René dank einem Adapter die Bilder detailscharf in den TV zu übertragen. Ja, die Wege führen ab und zu nicht direkt ins Ziel.
Lieber Daniel, aufgrund deiner ausserordentlichen Leistungen sind wir leider gezwungen deine Yardsticks zu verkleinern. Andernfalls haben wir bei Präsentationen, Selbstbauversuchen und Regatten geringe Chancen. Du bist eine Bereicherung für die Shedhalle und den WVR: du hast zündende Ideen und bis fast immer mit Feuer und Flamme dabei, wie zuletzt bei unserem Räbe-Laser. Im Namen aller Anwesenden dir und der Bordküche herzlichen Dank. Den Schlag zu dir ins Horn werden wir nicht so schnell vergessen. Wir freuen uns noch auf viele Erlebnisse mit Dir.
*Bemerkung von René: Diesen Bericht schreibe ich etwas ausführlicher, weil einige wegen der Terminkollision nicht teilnehmen konnten. Ich schreibe diese Zeilen aber auch, weil ich Daniel nun schon einige Jahre kennen und schätzen gelernt habe, auf und neben dem Wasser. Wir teilen auch die hohe Achtung vor den Haien (Shark), dieser faszinierenden Fischart, welche die Weltmeere schon lange vor den segelnden Menschen die Weltmeere elegant und kraftvoll durchkreuzten.
Daniel hat mich auch dazu gebracht, meinen Bonezzi Contender zu restaurieren. Dies hat mir einige Zeit, Nerven und Geduld abgefordert und damit meine Freude ab und zu arg strapaziert. Heute freue ich mich einfach auf meiner bald 30 Jahre alten Jolle auf dem Zürisee zu segeln. Dieses ruhige Dahingleiten unter vollen Segeln wünsche ich auch Daniel; auf seinem Weg erscheint dieses Ziel sicher bald am Horizont. Davor muss er noch die Roaring Sixties bewältigen und das Kap Horn umschiffen. Im Zielhafen der erlauchten Sektion des WVR wollte ich ihn mit einem Nautilus-Event überraschen. André ist mir mit seinem Frühstart schon auf der ersten Kreuz davongesegelt.


